Aug 11, 2012
Tamago

Der Pochi-Award, oder how not to

Endlich hab ich mal wieder ein Thema zu dem ich etwas schreiben kann, eigentlich wollte ich das schon letzte Woche tun aber ein paar IRL Sachen haben mich dann davon abgehalten.

Am Donnerstag, letzte Woche, gaben die Orgas der Connichi bekannt, dass sie dieses Jahr einen brandneuen Anime-Award ins Leben rufen, den Pochi-Award, was allerdings als mit dem Gedanken kleinerer und größerer Publisher anzugleichen geplant war stellt sich aber auf Grund fragwürdiger Entscheidungen und des Auswahlverfahrens, dem scheinbar ein massiver Denkfehler zu Grunde liegt, schnell zu einer Veranstaltung, die eines ganz bestimmt nicht ist: Fair gegenüber den Kandidaten.

Also wie genau funktioniert dieser Award eigentlich?
Jeder Publisher darf in den 6 Kategorieren  Animefilm, Animeserie, Manga National, Manga International, Musik-CD und Videospiel je bis zu 3 Titel ins Rennen schicken, eine Jury wählt aus diesen Titeln dann einen aus, der es in die Finale Runde schafft. Die Final Runde besteht dann aus einem Internetvoting, wo jeder seinen Favoriten wählen kann.

Und wo liegt jetzt der Denkfehler?
Ganz einfach, welche Rolle spielt der Publisher bei der Qualität einer Serie, Film, etc.? Ganz genau, gar keine.  Warum wird dann also der Publisher herangezogen um zu entscheiden, welche Serie ins Finale kommt und welche nicht? Laut eines Organisators des Projekts sollte damit vermieden werden, „dass auf einmal z.B. Kaze 10 Titel einreicht und jemand wie Peppermint Anime nur einen.“ man wollte „gewisse Gleichheit schaffen“. Die Frage ist nur, wo liegt darin der Sinn? Es geht hier doch nicht um die Publisher, sondern um die Serien.
Offensichtlich wird der Fehler im Konzept spätestens bei der Kategorie Beste Anime-Serie, bei der mit Madoka und Angel Beats! gleich zwei haushohe Favoriten, noch vor dem Finale aus dem Rennen gekickt wurden, statt ihrer steht nun Tokyo Magnitude zur Wahl.
Hierzu auch noch ein schönes Zitat: „Das Madoka und AngelBeats rausgedrückt wurden, liegt eher daran das es in der Gesamtbewertung nicht mithalten konnte.“ Nach der Formulierung hatten die beiden Serien also kaum eine Change gegen das übermächtige Tokyo Magnitude. Diese Meinung scheint die Jury exklusiv zu haben, denn in jeder größeren Anime-Datenbank bei der ich nachgeschaut habe (aniserch, anidb, MyAnimelist und ANN) führten die beiden Serien teils klar, teils knapp, vor dem letztendlichen Finalisten.
Spätestens hier verliert die komplette Veranstaltung in meinen Augen ihren Sinn.

Letzten Endes trägt man hier meiner Meinung nach einen Beliebtheitswettbewerb unter den Publishern auf dem Rücken der Kandidaten aus.

Will man die Idee der Fachjury beibehalten, was ich im Grunde eine gute Idee finde, wäre es sinnvoller gewesen, wenn die Jury drei, oder fünf, Finalisten aus allen eingereichten Kandidaten gewählt hätten, oder wenn man den Sieger aus einer Kombination aus Zuschauervoting und einer Wertung der Jury gewählt hätte.

Ein Wort noch zum verhalten der Organisatoren.  Bei Reaktionen auf Kritik an dem Preis wurde von den Orgas immer wieder darauf hingewiesen, dass es sich bei den Orgas um ehrenamtliche Mitarbeiter handelt und dass es sich um die erste Veranstaltung dieser Art handelt und dass man doch gerne, per Mail, Anregungen für die Wahl nächstes Jahr einschicken könne und sich doch bitte mit öffentlicher Kritik zurückhalten soll.
Dem muss ich aber entgegensetzen, dass es sich um einen groß aufgezogenen Preis handelt, der direkt nach der Eröffnungsveranstaltung einer der beiden größten Anime/Manga-Conventions in Deutschland vor mehreren tausend Zuschauern verliehen wird, hier sollte man eigentlich eine gewisse Professionalität voraussetzen können. Auf Grund dieses sehr öffentlichen Charakters des Preises, nehme ich mir übrigens auch das Recht heraus, ihn öffentlich zu kritisieren. Zum anderen bringt es nichts um Verbesserungsvorschläge zu bitten, wenn der Ablauf, zu mindestens für dieses Jahr, bereits in Stein gemeißelt ist.

 

P.S. ich möchte auch mal wieder einen Beitrag schreiben, in dem ich mich unglaublich über etwas freue. -.-

3 Comments

  • Hallo,

    danke für diesen Eintrag, auf den ich gern in einigen Punkten eingehen möchte.
    Zuerst aber möchte ich aber darauf hinweisen, dass, wie oben bereits erwähnt, die Connichi sich aus ehrenamtlichen Mitarbeitern zusammensetzt. Das heißt auch: aus Autodidakten und vor allem „Learning by Doing“. Wir haben uns halt im Vorfeld Gedanken gemacht, wie ein Connichi-eigener Preis aussehen kann, welche Preise (und Systeme) es bereits gibt und wie sich der Pochi davon absetzen kann, um nicht eine Kopie eines bestehenden Preises zu werden.
    Das das Ergebnis nicht zu 100% super sein wird oder bei allen Leuten ohne Kritik angenommen werden wird, war uns natürlich klar (vor allem weil man es eh nie _allen_ Leuten recht machen kann, das liegt in der Natur der Sache).
    Kritik ist also durchaus gerechtfertigt und Änderungen zum nächsten mal sind dementsprechend zu erwarten.

    „Zum anderen bringt es nichts um Verbesserungsvorschläge zu bitten, wenn der Ablauf, zu mindestens für dieses Jahr, bereits in Stein gemeißelt ist.“
    – Ja. Das liegt aber daran, dass wir das erdachte System einmal komplett durchlaufen lassen wollen/müssen. „Changes on the fly“ bringen nichts, wenn wir beim zweiten Schritt etwas ändern und dann im weiteren Verlauf feststellen, dass dadurch der vierte Schritt nicht mehr funktioniert.
    Also müssten wir dem/derjenigen die die Verbesserung zum zweiten Schritt eingebracht hat, erklären warum es nicht geht und bei der Masse an Meinungen und Kommentaren die wir bekommen, geraten wir dort vom Hunderstel ins Tausendstel.
    Also lassen wir den Dingen vorerst ihren Lauf, sehen was passiert und wo Verbesserungsbedarf entsteht.Nur so können wir auch sicher gehen, dass alle Kritik die uns erreicht sich auf den selben „Versions“-Stand bezieht.

    „oder wenn man den Sieger aus einer Kombination aus Zuschauervoting und einer Wertung der Jury gewählt hätte“
    – Das wäre u.a. eine denkbare Alternative zum aktuellen System, die wir bereits auch in er Schublade liegen haben.

    „hier sollte man eigentlich eine gewisse Professionalität voraussetzen können.“
    – Die Connichi ist, wie alle anderen Animexx Veranstaltungen auch, eine Convention die sich laufend weiter entwickelt und so wird es auch dem Pochi ergehen.

    • Trotzdem bleibt meine Kritik, dass man hätte solche Fehler im System frühzeitig feststellen müssen.
      So ein Award soll ja immer eine Aussage treffen zum Beispiel bei „beste Serie“: „Welche ist die beste Serie?“
      Die einzige Aussage die der Pochi trifft ist „Wir wollten auch nen Award“ und vielleicht „wir wollten nicht die üblichen Verdächtigen“ was dann auch das geheimnisvolle Favoritensterben in der Vorrunde erklären würde.

  • Welcome back.

    Ich habe mich gefragt, was dieser Award selbst für einen Sinn hat, immerhin handelt es sich nur um die Connichi und nicht um eine größere Stiftung oder Filmpreis oder was auch immer. Wird so eine Auszeichnung wie der Pochi Award überhaupt so viel Prestige erhalten, dass es sich überhaupt für die Publisher lohnt? Kriegen die DVDs des Winner-Animes einen „Pochi-Sticker“ drauf oder wird sich in einem Jahr überhaupt noch jemand erinnern, wer dieses Jahr gewinnen wird? Verzeih mir bitte, aber ich verstehe die Aufregung dahinter nicht. Ist es das überhaupt wert?

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